Strauss' "Elektra" at the Bayerische Staatsoper

07.17.15
Asher Fisch
Suddeutsche Zeitung

“Asher Fish created this colorful music with sharp force. It is exhausting, even challenging to follow the frequent musical strokes with full attention. However, (with his conducting) he reflects the fatal consequence of Elektra in it’s highly appropriate form.”

Viel Spielraum hat die Elektra in dieser Inszenierung nicht. Sie hat keinen Platz, auf dem sie agieren kann, sie hat - bis auf eine Axt - keine Requisiten. Sie hat lediglich ein kleines Brett, rechts auf dem schmalen Streifen der Vorderbühne, das ihr Wohnraum und Agitationsort ist. Doch Evelyn Herlitzius in der Titelpartie, die gerade auch als Isolde in Bayreuth eingesprungen ist, vermag diese kleine Spielfläche auf manische, körperliche und tief-reale Weise auszufüllen.

 

Herbert Wernicke inszenierte die Strauss-Oper Ende der Neunzigerjahre für die Bayerische Staatsoper, dabei verzichtete er auf Umdeutungen oder Metaphern: Elektra ist ein expressionistischer Racheengel, der Antike entsprungen, archaisch und brutal. Asher Fisch dirigiert Strauss' "Elektra" nun während der Opernfestspiele. Und auch ihm ist in dieser kargen Inszenierung eine große Rolle und gestalterische Verantwortung gegeben. Denn Strauss' wohl kühnste Opernmusik dient den Figuren (ähnlich der Shakespeareschen Wortkulisse) als Bühnenbild und Seelenspiegel: Klytämnestras behauptete, herrschsüchtige Contenance und ihre naive Angst vor den Albträumen illustriert Strauss genauso schreiend wie Elektras psychotische Rachefixierung und die ablehnende Arroganz der Mutter gegenüber. Fisch gestaltet diese Farben mit scharfer Wucht. Es ist anstrengend, ja fordernd, den häufigen musikalischen Keulen mit voller Aufmerksamkeit zu folgen, bildet aber die tödliche Konsequenz der Elektra auch ausgesprochen passend ab.

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