Drama & Timbre: Donald Runnicles conducts Brahms and Britten

05.30.13
Donald Runnicles
Tagesspiegel

In the end it is an orchestra that relies on the opera. How else can one explain the dramatic art and pathos with which Donald Runnicles, general music director of the Deutsche Oper, conducts his orchestra in the Philharmonie through the last movement of Brahms’ first symphony: Obscurely the beginning seethes, pulling one down to profound abysses, with relentlessly hammering kettledrums. And when it recedes after the last big clang one thinks to have been part of a fateful Italian opera and not a piece by Brahms who became a composer of symphonies rather late under the pressure of high expectations.

Schwarz brodelt der Beginn, ein Sog hinunter in Abgründe, mit unerbittlich hämmernder Pauke. Und wenn er nach dem letzten großen Dröhnen abschlägt, meint man, einer schicksalsschweren Italo-Oper beigewohnt zu haben und nicht Brahms, der unter dem Druck der Erwartungen erst spät als Symphoniker vorstellig wurde.

Ganz ähnlich hört man bei Brittens „Serenade für Tenor, Horn und Streicher“ mit Klaus Florian Vogt und dem Solohornisten Daniel Adam andere Möglichkeiten mit. Tatsächlich bringt der Gesangspart mit den fabelhaften Gedichtvorlagen Vogts wunderbares Timbre nicht immer vollständig zur Geltung. Die „Serenade“ ist nicht Wagner, nicht große Oper. Eher unversehens gibt es Lebensraum für diese außerordentliche Stimme, im nahtlosen Übergang vom Falsett in die natürliche Lage zu Beginn, in den Rufen im „Nocturne“ (Adam sekundiert mit feinen Fanfaren), im Gebet des „Trauergesangs“ mit seiner Drohgebärde inmitten. Vogt und Adam musizieren in Einigkeit. Und zum Ende zieht der Ex-Hornist Vogt den imaginären Hut vor dem jüngeren Kollegen.